Von ersten Alben und Katalogen zu Verlagen von Weltrang

Von ersten Alben und Katalogen zu Verlagen von Weltrang
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Art.Nr.: 9363
ISBN: 978-3-932198-87-8
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Chronik der Deutschen Philatelie, Sonderband 4

von Wolfgang Maassen

Format 21 x 28,5 cm, Leinen gebunden mit farbigem Schutzumschlag, Gold-Prägung auf Titel und Buchrücken, 720 Seiten, 1318 Abbildungen, © Schwalmtal 2010, ISBN 978-3-932198-87-8

Artikelbeschreibung:

Er beschreibt in dem knapp 800 Seiten starken Werk (bestehend aus einem 720-Seiten-Haupt- und einem ca. 64-Seiten-Ergänzungsband) die Entwicklungsgeschichte derjenigen Literatur, deren Urhebernamen mit den „Gebrüdern Senf“ und Hugo Schwaneberger in Leipzig sowie mit Paul Kohl in Chemnitz und Hugo Michel in Apolda untrennbar verbunden ist. Dabei präsentiert er weit mehr als Literaturgeschichte, denn er erweitert die Sicht um relevante Aspekte der Wirtschaftsgeschichte der jeweiligen Verlage bis in die heutige Zeit, aber auch um die Familiengeschichte dieser frühen Pioniere deutscher Philatelieverleger. Dies anhand bis heute weitgehend völlig unbekannter Quellen, verständlich geschrieben, aber auch mit wissenschaftlich orientierter Akribie.

Noch nie ist bis heute die Geschichte von Senf, Kohl, Schwaneberger und Michel so eingehend und exakt dargestellt, besonders aber auch in Wort und Bild belegt worden. Zustatten kam dem Autor dabei nicht nur seine eigene umfangreiche Bibliothek und sein Erwerb großer Bestände der legendären Senf-Schriftleiterbibliothek, sondern auch der persönliche Kontakt zu den Nachfahren der großen Verlegerfamilien. Dies kombiniert mit unzähligen Dokumenten aus Stadt- und Staatsarchiven in Leipzig, Apolda und Weimar schuf eine neue bislang unbekannte Übersicht zu den frühen Alben- und Katalog-Verlegern in der deutschen Philatelie, die erst- und einmalig ist.

So erfährt man mehr über das wechselreiche Auf- und Ab, die Zwietracht und Versöhnung, dann aber auch die endgültige Trennung der „Gebrüder Senf“, denen es gelang, die Firma vor mehr als hundert Jahren zum weltgrößten Briefmarkenhaus zu machen. Man erlebt den Auf- und Niedergang des Senf’schen Katalogmonopols im Ersten Weltkrieg durch den Erfolg des Konkurrenten Hugo Michel aus Apolda. Aber auch dessen Schwächen werden deutlich. Nicht nur im Übergang seines Kataloges an den Verlag des Schwaneberger Albums Schaufuss & Stolpe 1919, sondern auch in der ihm eigenen politischen Geisteshaltung.

Im Vergleich dazu erstrahlt das Kataloggenie Paul Kohl, dessen Name mit seinen Handbuch-Katalogen, aber auch mit dem späteren Kohl-Briefmarken-Handbuch unter Dr. Herbert Munk untrennbar verbunden sind. Es sind – gerade zur Zeit des Nationalsozialismus und des folgenden Weltkrieges – Erinnerungen an leidvolle Zeiten, denen der Autor bis zur Gegenwart folgt. Diese Zeiten hatte Hugo Schwaneberger nicht mehr miterlebt. Wohl aber wurde er Namensgeber des heute nach ihm benannten Verlages. Die verschlungenen Wege, wie es dazu kam, welche Rolle dieser selbst dabei spielte (bzw. eben nicht spielte!), auch im Zusammenhang des nach ihm später benannten Albums, wird hier erstmals nachgewiesen.

Die Skepsis des Autors gegenüber vielfach tradierter, aber ebenso häufig unreflektierter Überlieferung spürt man in nahezu jedem Kapitel. Er hinterfragt Daten und Fakten – und präsentiert dank seiner immensen Recherche die stimmigen. So heißt es für den Leser von so mancher Legendenbildung früherer Zeit Abschied zu nehmen, z.B. davon, dass der Schwaneberger Verlag von Hugo Schwaneberger gegründet oder gar der Michel-Katalog an ihn verkauft worden sei. Dennoch: Auch heute bleiben noch „weiße Flecken“, die es künftig zu füllen gilt, aber sie werden wenigstens deutlich ausgewiesen.

Das Buch ist gleich zweimal (bei Senf und Michel) auch ein Kapitel „Ost-West“-Geschichte, denn es arbeitet erstmals in dieser Fülle auch das philatelistische Verlagsgeschehen der Nachkriegszeit in der SBZ und DDR auf, das Sterben ehemals selbstständiger namhafter Firmen, die Weltgeltung hatten. Es schildert unbekannte Nachkriegsgeschichte, die „Abwicklung“ und den „Übergang“ der ehemals ruhmreichen Verlage, aber auch das Schicksal ihrer Inhaber. Man erfährt erstmalig, wer die wirklichen Macher der ersten Nachkriegs-MICHEL-Kataloge im Westen waren, aber auch die der späteren ab 1950, die mit München und dem heutigen übrigens erst seit 1970 so bezeichneten „Schwaneberger Verlag“ verbunden sind. So erhielt dieser Verlag gleichsam seine eigene Firmengeschichte geschrieben, die es bislang auch noch nicht gab. Letztlich endet diese bei „MICHEL“ erst 2005 mit dem Umzug nach Unterschleißheim, bei den „Gebrüdern Senf“ dann 2008 mit der Schließung des ältesten deutschen Briefmarkenhandels in Leipzig.

Das voluminöse Buch ist kein Lesebuch, das man in wenigen Stunden verarbeitet, auch wenn so manches Kapitel eher an einen Krimi erinnert: z.B. das Geschehen um die Firma der „Gebrüder Senf“ kurz vor und nach der Wende. Der Zugriff des Lesers wird durch einen „Trick“ erleichtert, denn die eigentlichen Hauptkapitel sind jeweils getrennt von einem sog. kommentierten bibliografischen Anhang. Diese sind zwar ebenfalls umfangreich, empfehlen sich aber speziell für die „Studiosi“ unter den Lesern, die forschend mehr erfahren wollen. Deshalb begleiten auch sehr umfangreiche klein gedruckte Fußnoten das gesamte Werk, das bei anderer Satzanordnung der Inhalte trotz des Großformates sonst leicht über 1000 Seiten gehabt hätte. Insgesamt sind es über 1 000 Anmerkungen, die nicht selten auch halbseitenlang sein können.

Dieser Quellenreichtum wird nur noch durch das wahrlich einmalige Bildmaterial übertroffen. Nicht, weil dies durchgehend, sofern den Vorlagen entsprechend, in Farbe abgebildet ist, sondern weil darunter auch Bildvorlagen integriert sind, die der „Normalsterbliche“ wohl noch nie gesehen hat. Einmalige Dokumente längst vergangener Zeiten, über 1 316 (!) an der Zahl. Vier Jahre Lebensarbeit an einem Buch. Hier werden sie sichtbar. Zu erwarten, dass ein solches Lebenswerk für einige Euro erhältlich sein kann, wird angesichts des großformatigen Hardcover-Werkes in feinster Ausstattung und bestem Druck, mit Umschlag und Titelgoldprägung, keiner erwarten. Der Preis ist dem Gebotenen mehr als angemessen, zumal die Auflage mit 300 Exemplaren sehr gering ist. Zusätzlich zum Hauptband gibt es einen Ergänzungsband. Sind im Hauptwerk Anmerkungs- und Abkürzungsverzeichnis integriert, wurden in diesen zusätzlichen Band ein Stichwort- und ein umfangreiches Personenregister, zusätzlich aber auch die Original-„Sippenkartei“ von Hugo Michel aufgenommen. „Bonus-Material“ für all die, die mehr wissen und schneller finden wollen.

Wer also einmal über weite Strecken spannende, vielfach auch unterhaltsame, durchaus leicht zu lesenden Geschichten über Alben und Kataloge, deren Macher, Werden und Vergehen lesen will, mehr anlässlich des Jubiläums „100 Jahre Michel-Kataloge“ gerade zum Schwaneberger Verlag erfahren möchte, ist hier richtig: bei einem Buch, das ungeteilte Anerkennung verdient.

Wer dieses Buch auch als Nachschlagewerk nutzen möchte, für den ist der Ergänzungsband mit weiteren Registern gerade richtig. Er kann separat zum Preis von 10 Euro erworben werden (Art.-Nr. 9364).