Georges Fouré

Georges Fouré
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Art.Nr.: 9360
ISBN: 9783932198847
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Die Geschichte eines genialen Philatelisten und Fälschers

von Reinhard Metz

Format A4, Hardcover, komplett in Farbe, 352 Seiten, 352 Abbildungen davon150 Original-Fouré-Fälschungsbelege, © Phil*Creativ GmbH, Schwalmtal 2009, ISBN 978-3-932198-84-7

Artikelbeschreibung:

Rezension von Peter Fischer

Zur IBRA/NAPOSTA im Mai in Essen erlebte dieses Buch seine erste Präsentation durch den Autor, seine erfolgreiche Premiere und das erste mit Recht begeisterte Publikum. Was erwähnenswert genug ist angesichts des sich leider häufiger bestätigenden Urteils, dass Philatelisten im Durchschnitt für Literatur nur zurückhaltendes Interesse aufbringen.

Georges Fouré – der Name allein ist Legende, und Generationen von Philatelie-Experten haben sich abgemüht, ihm und seinen Manipulationen, sprich Fälschungen, auf die Schliche zu kommen. Reinhard Metz hat jetzt nicht nur alles, was zu Fouré je geschrieben wurde, zusammengetragen und unter die Lupe genommen, er hat zugleich Leben und Wirken des Mannes auf eine Weise neu dargestellt, die schlaglichtartig ein ganz neues Gesamtbild dieser zwiespältigen Persönlichkeit schafft und mit unendlich vielen Details auch ihr unheilvolles Fälschungswerk belegt.

Reinhard Metz selbst hat eine Sammlung von an die 200 Fouré-Fälschungen aufgebaut. Und dieser Fundus erlaubte ihm viele neue, sozusagen auch vergleichende Urteile. Und er hat sein Wissen in dem Buch anschaulich an den Leser weitergegeben, indem neben echten Stücken rund 140 gefälschte Fouré-Belege abgebildet sind, so viele, wie wohl kaum jemand sie in diesem Umfang und dieser Komplexität je gesehen haben dürfte.
Eine ausführliche philateliegeschichtliche Einleitung führt den Leser in die Zeit Fourés, der 1844 in Paris geboren wurde, als Junge mit seiner Mutter in der ersten Hälfte der 50er-Jahre des 19. Jahrhunderts nach Berlin kam, hier mindestens seit der zweite Hälfte der 70er-Jahren das philatelistische Leben maßgeblich mitbestimmte und dessen Lebenslauf 1902 wiederum in Paris endete, wohin er sich 1896 nach ersten Aufdeckungen seiner Fälschungen vor allem durch Carl Lindenberg unter Zurücklassung seiner Familie über die Zwischenstation Leipzig absetzte.

In den folgenden Kapiteln befasst sich Reinhard Metz sozusagen Stück für Stück mit jenen altdeutschen Ganzsachen, bei denen Manipulationen Fourés vorkommen. Dabei stehen zunächst die sogenannten Überklebten des Norddeutschen Postbezirks im Mittelpunkt, die als Aufbrauchsausgaben aus Ganzsachen-Beständen verschiedener altdeutscher Staaten offiziell gefertigt wurden und von denen Fouré in großer Zahl und enormer Vielfalt gefälschte Stücke in Umlauf setzte, wobei er „neu Entdecktes“, das in Wirklichkeit Ge- und Verfälschtes war, geschickt zu publizieren und damit bei den Sammlern zu propagieren wusste.

Aber auch Belege vor und nach der NDP-Periode hat Fouré gefälscht. So beleuchtet Metz sehr ausführlich vor allem die Ganzsachenumschläge von Preußen ebenso wie die ersten Umschlag- und Karten-Ausgaben der Deutschen Reichspost. Ein umfangreiches Literaturverzeichnis, das die weit verstreute Literatur zum Phänomen Fouré zusammenfasst, ist für den am Thema Interessierten ebenso wichtiges Hilfsmittel am Ende des Buches wie ein Personenverzeichnis, in dem lediglich Fouré selbst sowie die philatelistischen Forscher Dr. Siegfried Ascher, Dr. Franz Kalckhoff und Carl Lindenberg nicht erfasst wurden.

„Glücklicherweise ist das Sammeln von Ganzsachen seit Jahrzehnten wieder 'in'.“ Mit diesem Stoßseufzer beendet Reinhard Metz seine Darstellungen. Und weil es gar so sehr hübsch ist, sei auch das Zitat Carl Lindenbergs von 1889, mit dem der Autor sein Buch beginnt, hier wiedergegeben: „Zum Sammler muss man geboren sein“, so schrieb damals Lindenberg, und: „Erziehung, Familienverhältnisse, Beruf etc. können wohl Einfluss haben auf die Wahl der Gegenstände, die man sammelt. Aber die Neigung und das Talent zum Sammeln, der Sammeleifer und die Beharrlichkeit, sie alle können nicht angelernt oder anerzogen werden. Man muss sie von der Natur empfangen haben als ein Geschenk, für das man nicht dankbar genug sein kann. Was wir Sammler an Glück, Freude und innerer Behaglichkeit vor anderen Sterblichen voraushaben, das brauche ich dem Kreis von Philatelisten ... nicht erst vorzupredigen.“

Zum Thema Fouré werden künftige Philatelie-Historiker auf jeden Fall beim Stand der Forschung von Reinhard Metz auszugehen haben. Der selbst in seinen Schlussbetrachtungen freilich bescheiden bekennt: „Das Thema ist nicht beendet, es kann nicht beendet werden, weil eine Reihe von Fragen nicht beantwortet werden können und weil in dieser Arbeit – bei norddeutschen und württembergischen Ausnahmen – keine Marken, sondern nur Ganzsachen behandelt worden sind, die das ganz überwiegende Betätigungsfeld Fourés darstellten.“ Nun, wie dem auch sei, das Buch von Reinhard Metz setzt auf seinem Gebiet neue Maßstäbe. (Peter Fischer, Berlin)